shitstorm und flauschstorm

Shitstorm vs. Flauschstorm

Wer im Internet unterwegs ist, stolpert nicht nur über haekelschwein und my little Pony. Vielmehr erobern netzgeprägte und netzgeformte Begriffe den Wortschatz und versuchen unsere Ausdrucksweise zu bereichern.

Shitstorm und Flauschstorm sind zwei solcher Worte.

Meine Recherche über diese Ausdrücke habe ich nachfolgend notiert:

Was ist ein Shitstorm, wer hat diesen erfunden?

Was ist ein Flauschstorm?

Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch aus Berlin bezeichnet Shitstorm mit

… grob gesagt, eine unvorhergesehene, anhaltende, über soziale Netzwerke und Blogs transportierte Welle lautstarker Entrüstung über das Verhalten öffentlicher Personen oder Institutionen, die sich schnell verselbstständigt und vom sachlichen Kern entfernt…

t3n das Magazin hat folgende Definition:

…wird der Begriff aber sehr viel weiter gefasst. Alles was die Reputation eines Unternehmens, einer Marke oder einer Person schadet und über das Social Web eine Eigendynamik entwickelt und eine kritische Masse überschreitet, wird schnell als Shitstorm bezeichnet…

Die Medien haben das Wort Shitstorm aufgegriffen und so zu dessen Verbreitung beigetragen. Auch Sascha Lobo (Buchautor, Blogger, Journalist)  hat mit dem Vortrag “how to survive a shitstorm” auf der re:publica 2010  dazu beigetragen dass Shitstorm eine solche Verbreitung erfahren hat. Er definiert den Shitstorm ähnlich:

…Als Shitstorm soll hier der Prozess bezeichnet werden, wenn in kurzem Zeitraum eine subjektiv grosse Anzahl von kritischen Äußerungen getätigt werden, von denen sich zumindest ein Teil vom ursprünglichen Thema ablöst und stattdessen aggressiv, beleidigend, bedrohend oder anders attackierend geführt wird…

Erfunden hat er das Wort aber nicht. Bereits seit den 80ern wird Shitstorm im Englischen öfters benutzt und sogar 1955 fand der Begriff Shitstorm in Briefen der US-Armee Verwendung. Wann das Wort das erste Mal benutzt wurde ist nicht mehr nachzuvollziehen.
Als Antonym (Gegensatzwort) zu Shitstorm erfand Anatol Stefanowitsch im Dezember 2011 das Wort Flauschstorm. Flausch wird mit Harmonie,Liebe, Fürsorge definiert. Zusammengefügt erklärt Stefanowitsch seinen neu gestalteten Begriff wie folgt:

…bei dem das „Opfer“ des Shitstorm aus den sozialen Netzwerken mit einem Sturm aus Lobes- und Liebesbekundungen überschüttet wird…

Ob Flauschstorm nur ein “Trittbrettfahrer” von Shitstorm ist oder eine ähnliche Karriere und Verbreitung bevorsteht ist abzuwarten. Sicher hat dann Sascha Loba, wie beim Shitstorm auch, wieder seinen Teil dazu beigetragen. Denn in seinem Vortrag auf der re:publica 2012  fand “Flauschstorm” reges Gehör und unterhielt die Besucher damit erwartungsgemäß köstlich.

Demnächst: Trolle

11. Mai 2012 von was-von-mir
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re:publica – Berlin – dritter Tag

Bernauer Straße - Mauerpark

Als Frühaufsteher stand auch heute morgen wieder eine Radtour vor dem re:publica Besuch auf dem Programm. Die Tour führte über den Tiergarten, unter den Linden, Prenzlauer Berg zur Bernauer Straße. Hier habe ich mir den Mauerpark angesehen und stieß auf Reste der Berliner Mauer, sowie auf den mit verrosteten Eisenstangen nachgestellten Mauerverlauf entlang der Bernauer Straße. Der Weg hierher hatte sich gelohnt, den Berlin hat eine solche Gedenkstätte mehr als notwendig. Die handvoll Mauerstücke am Potzdamer Platz können nicht die Erinnerungen an die Zeit der Mauer aufrechterhalten und sind als Sinnbild dessen mit dem Russenimitat vornedran eher peinlich.

Übrigens hätte mich mal jemand warnen können, dass es am Prenzlauer Berg tatsächlich bergauf ging und ich kräftig in die Pedale treten musste.

Das Internet besteht aus Menschen

Zurück von Touri-Trip startete ich kurz nach 10 in den dritten Tag der Veranstaltung in die Station. Sessions, Gespräche, Pause, Essen und Trinken wiederholten sich und gleicher Reihenfolge und schnell streifte die Zeit vorbei.

Beendet habe ich die re:publica nach der Session mit dem Regierungssprecher Steffen Seibert. Auch wenn es zu keiner tiefgreifenden Diskussion gekommen ist, konnte er den Saal begeistern und Hoffnungen darüber verbreiten, dass das digitale Zeitalter auch in der Regierungsarbeit angekommen ist und der schnelle Dialog und die sofortige Stimmungsaufnahme aus dem Netz wahrgenommen werden. Mein Highlight des Tages.

Das Internet besteht aus Menschen, Shitstorm, Flauschstorm, Trolle und das Little Pony waren Begriffe die ständig und in fast allen Sessions und Gesprächen gegenwärtig waren.

Die mir von Ralf Stockmann angekündigte Session von Little Pony Session hat leider nicht stattgefunden. Trotzdem war der Hype um das Little Pony zu spüren und gerade deshalb hätte es einen eigenen Vortrag verdient. Fanboys können unter Ponytime bisher 9 erschienene Podcasts um den Ponyhype und darum nachhören.

Flughafen Tempelhof

Wieder auf dem Faltrad, ging die Route durch Kreuzberg über den Platz der Luftbrücke zum ehemaligen Flughafen Tempelhof. Dieser wurde Oktober 2008 geschlossen und steht der Bevölkerung seitdem als riesige Fläche zur Freizeitgestaltung zur Verfügung. Auch mein ständiger Begleiter Danbo war von der Startplan begeistert. Die Weite mitten in einer so großen Stadt wie Berlin ist fantastisch. 2017 soll auf dem Gelände die Internationale Gartenschau stattfinden.

Reichstag

Zurück in Berlin Mitte verschwand die Sonne bei fast wolkenlosem Himmel und angenehm warmen Temperaturen. Vor dem Reichstag genossen viele auf dem grünen Rasen den Sonnenuntergang. Ich mischte mich anschließend unter die Touristen und knipste unter Gleichgesinnten Brandenburger Tor und Reichstag und zog mein letztlich mein persönlich Résumé:

Brandenburger Tor

Die re:publica als größte Konferenz Deutschlands über Blogs, soziale Medien und die digitale Gesellschaft mit über 4000 Teilnehmer 350 Redner und 200 Stunden Programm hat mich begeistert  -  und das soll was heissen!

Ich konnte aufgrund der Vielfalt nur ein Bruchteil der Sessions besuchen und verfolgen. Gewiss werde ich die ein oder andere interessante Beitragsreihe online nachkonsumieren. Meine Sessionauswahl war für den ersten Besuch gut geplant, hätte aber etwas mehr Information und einen tieferen Einblick über die Speaker und deren Hintergründe benötigt. Hierfür sollte ich mir vorab mehr Zeit nehmen.

Ob es zu einer jährlichen Pflichtveranstaltung für mich wird, hängt von vielen Faktoren im Leben ab und ist daher nicht final entschieden. Sicher ist aber, dass ich den Termin für 2013 in meinen Terminkalender aufnehmen werde. Wenn es machbar ist versuche ich wieder ein Kompromiss aus re:publica und Berlin hinzubekommen.

It was a pleasure for me

Demnächst: Shitstorm und Flauschstorm, die Doku

08. Mai 2012 von was-von-mir
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re:publica – Berlin – zweiter Tag

Ganz nach dem Motto “der frühe Vogel fängt den Wurm” hatte ich um 7.00 schon aus Frühstücksbuffet gestürmt. Dadurch konnte ich mir noch genügend Zeit für eine kleine Radtour durch Berlins Innenstadt freigeschaufeln. Mein Faltrad war schnell startklar und so radelte ich an die Orte, die wohl jeder Berlin-Tourist schon besucht hatte. Potzdamer Platz, Holocaust-Mahnmal, Brandenburger Tor, Reichstag, Spreeufer, Museumsinsel, Checkpoint Charlie und vorbei an der neu gestalteten Dokuzentrum “Topographie des Terrors” ging es zurück zum Hotel.

Danbo im Berlin

Rechtzeitig gegen 10.00 Uhr war ich zurück in den Konferenzräumen der re:publica und wurde von einen Stromanbieter mit BlogSchokolade versorgt.

Heute standen wieder viele Sessions auf dem Programm, aber auch der Dialog zu anderen Netzbewohnern kam nicht zu kurz. In dem Zentrum der Hallen fand jeder genügend Platz um zwischen den Beiträgen etwas zu entspannen und nette und interessante Gespräche zu führen. ‘Trotz der über dreitausend Besucher (lt. Johnny Haeusler waren es sogar 4.500) hatte die re:publica ein familiäres Ambiente und der Eindruck einer Massenveranstaltung entstand zu keiner Zeit. Die bunten Monoblock-Stühle, die vom Veranstalter zentral zu Verfügung gestellt wurden, sorgten auch bei überfüllten Sessions für ausreichend Sitzmöglichkeiten und so musste freiwillig nie jemand stehen.

die twitter wall

Um den körperlichen Ausgleich zu finden, fanden die Teilnehmer ein Anleitung zum Gadget Yoga vor. So war den Rückenschmerzen vom vielen Sitzen vorgebeugt! lol

Joga

Meine Highlight Session von Tag 2 war der Talk von Philip Banse “Blogger im Gespräch”.

Philip kannte ich aus vielen Küchenradio Podcast Episoden. Mir war aber nicht bewusst, dass er mit Professionalität und Begeisterung ein Talkrunde dermaßen toll und interessant leiten kann, dass ich mir in unserem deutschen Fernsehen wöchentlich eine solche “Sendung” wünschen würde.

Vier Gäste konnten mit interessanten Themen zum guten Gelingen der Runde beitragen. Raúl Krauthausen war sicherlich der Herausragendste und erzählte über sein Projekt Wheelmap.org. Trotz seine Lebensgeschichte als körperlich Behinderter strahlte er eine Lebensfreude und Energie aus, die manchen “noch nicht behinderten” (Zitat von Raúl) Zuschauer zum staunen und zum nachdenken brachten. Wie sein Leben so klasse bewältigt ist mir unerklärlich und dafür hat er meine absolute Hochachtung.

Blogger im Gespräch

Mit der Session “Poetry Spam” ging ein langer Tag unterhaltsam zu Ende.

Demnächst: re:publica und Berlin – Tag 3 sowie Blick nach vorne

08. Mai 2012 von was-von-mir
Kategorien: re:publica | 1 Kommentar

re:publica – Berlin – erster Tag

Nach über 600km und 6 Stunden Fahrt bin ich gegen 11.00Uhr in Berlin angekommen und konnte im Hotel Belahr gleich einchecken. Nur noch 5 Gehminuten standen mir vor meinem ersten re:publica Besuch bevor. Direkt am Gleisdreieck gelegen, fand ich auch schon Schilder, die auf den Eingang der re:publica zeigten. In der “Station” dem ehemaligen Postbahnhof von Kreuzberg hatten die Veranstalter für die Veranstaltung ein neues Zuhause gefunden.

Gleisdreieck

Im Eingangsbereich angekommen, konnte ich meine Eintrittskarte gegen ein Namensschild und ein schwarzes re:publica Armband eintauschen. Letzteres diente als Eintrittskarte für die folgenden Tage und öffnete mir den Zugang in den ca, 20.000 m2 großen Hallenkomplex. In acht verschiedenen Hallen fanden Sessions im Stundenrhythmus statt. Besucht wurden von mir hauptsächlich Beiträge zum Thema Internetrecht, Podcasts, Blogs und gesellschaftliche Netzthemen.

Die Speaker der re:publica

Auf die einzelnen Sessions, die ich mir angeschaut habe, werde ich bis auf meine Highlightsession hier nicht weiter eingehen, kann aber die Podcasts der Göttinger Wikigeeks und Anycasts empfehlen. In einem Gemeinschaftsprojekt arbeiteten die beiden Podcasts-Teams die Sessions der abgelaufenen Tage noch spätabends ab und stellten diese teilweise live und zum Download der Netzgemeinde zur Verfügung.

Neben der Teilnahme an den Sessions, stand der Kontakt und der Austausch mit anderen Internetbewohnern natürlich im Vordergrund.

Anders als erwartet setzte sich das Publikum aus einem breiten Altersspektrum von ca. 20 – 50 Jahren zusammen. Auch war der Anteil der weiblichen Besuchern gegenüber den männlichen Besuchern ausgeglichen und das Bild des typischen Nerds, männlich, Mitte 20 wurde nicht bestätigt.

Interessant war es insbesondere, Menschen, Internetbekannte mal persönlich zu treffen und die Gesichter und Personen hinter den Twitter-Nicknamen zu sehen und kennen zu lernen.

Sascha Lobo

Mein Highlight des Tages war die letzte Session in Stage 1 von Sascha Lobo. Der Blogger, Buchautor, Journalist und Enfant terrible des Netzes hatte dieses mal zum Flauschstorm aufgerufen und uns Zuhörern nach den trolligen Vorträgen der vergangenen Jahre sogar das “wir” angeboten. Rhetorisch geschickt hat er über den Ist-Zusand des Internets 2012 rezessiert, aber auch seine Sorgen über die Zukunft des Internets geäußert. Einschränkung der Netzfreiheit und die Übermacht von Google, Facebook und Apple machten Lobo nachdenklich.

Sein Beitrag wurde den “Vorschußlorbeeren” die er vorab bekam, mehr als gerecht und rockte die Halle mit ca. 1500 Zuschauern über eine Stunde lang.

Demnächst: Tag 2 auf der re:publica und in Berlin

07. Mai 2012 von was-von-mir
Kategorien: re:publica | Schreibe einen Kommentar

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